Existenz

Endlichkeit, Angst, Freiheit, Sinn — das Nachdenken über das eigene Dasein. Kierkegaards Paradox des Glaubens, Dantes dunkler Wald, Büchners Abgrund im Menschen, Kleists verriegeltes Paradies, Pascals Unfähigkeit, ruhig in einem Zimmer zu bleiben.

39 Zitate

Zitate

Mithin müßten wir wieder von dem Baum der Erkenntnis essen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen? — Allerdings; das ist das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt.

Heinrich von Kleist 1810 ·Über das Marionettentheater

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt.

Rainer Maria Rilke 1907 ·Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, daß er nichts mehr hält.

Rainer Maria Rilke 1907 ·Der Panther

Die Mauern stehn Sprachlos und kalt, im Winde Klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin 1805 ·Hälfte des Lebens

Weh mir, wo nehm ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, Und Schatten der Erde?

Friedrich Hölderlin 1805 ·Hälfte des Lebens

Ach, ich bin des Treibens müde! Was soll all der Schmerz und Lust? Süßer Friede, Komm, ach komm in meine Brust!

Johann Wolfgang von Goethe 1776 ·Wandrers Nachtlied

Erreicht den Hof mit Müh und Not; In seinen Armen das Kind war tot.

Johann Wolfgang von Goethe 1782 ·Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind.

Johann Wolfgang von Goethe 1782 ·Erlkönig

Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst, — die Schwerter, mit denen Geister kämpfen!

Georg Büchner 1835 ·Dantons Tod

Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt?

Georg Büchner 1835 ·Dantons Tod

Jeder Mensch ist ein Abgrund; es schwindelt einem, wenn man hinabsieht.

Georg Büchner 1837 ·Woyzeck

Immer enger, leise, leise ziehen sich die Lebenskreise, schwindet hin, was prahlt und prunkt, schwindet Hoffen, Hassen, Lieben, und ist nichts in Sicht geblieben als der letzte dunkle Punkt.

Theodor Fontane 1889 ·Ausgang

Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war.

Heinrich von Kleist 1811 ·Abschiedsbrief an Marie von Kleist

Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein!

Heinrich von Kleist 1821 ·Prinz Friedrich von Homburg

Das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.

Heinrich von Kleist 1810 ·Über das Marionettentheater

Ein freier Mensch denkt an nichts weniger als an den Tod, und seine Weisheit ist nicht eine Betrachtung des Todes, sondern des Lebens.

Baruch de Spinoza 1677 ·Ethica, more geometrico demonstrata

Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel.

Matthias Claudius 1779 ·Abendlied

Wo Kinder sind, da ist ein goldnes Zeitalter.

Novalis 1798 ·Blüthenstaub

Wir suchen überall das Unbedingte, und finden immer nur Dinge.

Novalis 1798 ·Blüthenstaub

Nach innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns, oder nirgends, ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft.

Novalis 1798 ·Blüthenstaub

Tausend Dinge schreiten voran, neunhundertneunundneunzig weichen zurück: das ist der Fortschritt.

Henri-Frédéric Amiel 1852 ·Journal intime

Jede Landschaft ist ein Zustand der Seele.

Henri-Frédéric Amiel 1852 ·Journal intime

In einem kühlen Grunde Da geht ein Mühlenrad, Meine Liebste ist verschwunden, Die dort gewohnet hat.

Joseph von Eichendorff 1813 ·Das zerbrochene Ringlein

Es schienen so golden die Sterne, Am Fenster ich einsam stand Und hörte aus weiter Ferne Ein Posthorn im stillen Land.

Joseph von Eichendorff 1834 ·Sehnsucht

Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, Flog durch die stillen Lande, Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff 1837 ·Mondnacht

Wer heute fällt, kann morgen wieder aufstehen.

Miguel de Cervantes 1615 ·El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha (Segunda parte)

Die Jahre lehren vieles, was die Tage nie wissen.

Ralph Waldo Emerson 1844 ·Experience

Du wirst erfahren, wie salzig das Brot der anderen schmeckt, und wie hart der Weg ist, auf fremden Treppen hinab- und hinaufzusteigen.

Dante Alighieri 1321 ·La Divina Commedia (Paradiso)

Und von dort traten wir heraus, die Sterne wiederzusehen.

Dante Alighieri 1321 ·La Divina Commedia (Inferno)

Lasst alle Hoffnung fahren, die ihr eintretet.

Dante Alighieri 1321 ·La Divina Commedia (Inferno)

Auf halbem Weg des Lebens, das wir leben, fand ich mich wieder in dunklem Wald verirrt, weil mir der rechte Pfad verloren war.

Dante Alighieri 1321 ·La Divina Commedia (Inferno)

Wir leben niemals, sondern wir hoffen zu leben.

Blaise Pascal 1670 ·Pensées

Das ganze Unglück der Menschen rührt von einer einzigen Sache her: dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben wissen.

Blaise Pascal 1670 ·Pensées

Glauben heißt, gerade das Paradox annehmen, das die Existenz ist.

Søren Kierkegaard 1843 ·Furcht und Zittern

Ein Dichter ist ein unglücklicher Mensch, der ein tiefes Leid in sich trägt, und dessen Lippen so geformt sind, daß die Seufzer als schöne Musik herauskommen.

Søren Kierkegaard 1843 ·Entweder-Oder

Heirate, und du wirst es bereuen; heirate nicht, und du wirst es auch bereuen.

Søren Kierkegaard 1843 ·Entweder-Oder

Bald wirst du alles vergessen haben; bald werden alle dich vergessen haben.

Marc Aurel 180 ·Selbstbetrachtungen

Dass ich existiere, ist eine fortwährende Überraschung, die das Leben ist.

Rabindranath Tagore 1916 ·Stray Birds

Das Leben kann nur rückwärts verstanden, muss aber vorwärts gelebt werden.

Søren Kierkegaard 1843 ·Tagebücher