Wohl ist es Herbst; doch warte nur, Doch warte nur ein Weilchen! Der Frühling kommt, der Himmel lacht, Es steht die Welt in Veilchen.

Theodor Storm 1848 ·Oktoberlied

Und geht es draußen noch so toll, Unchristlich oder christlich, Ist doch die Welt, die schöne Welt So gänzlich unverwüstlich!

Theodor Storm 1848 ·Oktoberlied

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai Kein Vogel ohn' Unterlaß; Die Wandergans mit hartem Schrei Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei, Am Strande weht das Gras.

Theodor Storm 1851 ·Die Stadt

Am grauen Strand, am grauen Meer Und seitab liegt die Stadt; Der Nebel drückt die Dächer schwer, Und durch die Stille braust das Meer Eintönig um die Stadt.

Theodor Storm 1851 ·Die Stadt

Voran, voran, nur immer im Lauf, Voran, als woll es ihn holen; Vor seinem Fuße brodelt es auf, Es pfeift ihm unter den Sohlen

Annette von Droste-Hülshoff 1842 ·Der Knabe im Moor

Fest hält die Fibel das zitternde Kind Und rennt, als ob man es jage; Hohl über die Fläche sauset der Wind – Was raschelt drüben am Hage?

Annette von Droste-Hülshoff 1842 ·Der Knabe im Moor

Da steht im Wald geschrieben, Ein stilles, ernstes Wort Von rechtem Tun und Lieben, Und was des Menschen Hort.

Joseph von Eichendorff 1810 ·Abschied

Und ich mag mich nicht bewahren! Weit von euch treibt mich der Wind, Auf dem Strome will ich fahren, Von dem Glanze selig blind!

Joseph von Eichendorff 1815 ·Frische Fahrt

Wo die Mädchen am Fenster lauschen, Wann der Lauten Klang erwacht, Und die Brunnen verschlafen rauschen In der prächtigen Sommernacht.

Joseph von Eichendorff 1834 ·Sehnsucht

Du kennst mich wohl – von hohem Stein, Schaut still mein Schloß tief in den Rhein. Es ist schon spät, es wird schon kalt, Kommst nimmermehr aus diesem Wald!

Joseph von Eichendorff 1815 ·Waldgespräch

So reich geschmückt ist Roß und Weib, So wunderschön der junge Leib, Jetzt kenn ich dich – Gott steh mir bei! Du bist die Hexe Loreley.

Joseph von Eichendorff 1815 ·Waldgespräch

Freundschaft ist gewiss der feinste Balsam für die Schmerzen enttäuschter Liebe.

Jane Austen 1817 ·Northanger Abbey

Kein Reiz kommt der Zärtlichkeit des Herzens gleich.

Jane Austen 1815 ·Emma

Wer, ob Herr oder Dame, an einem guten Roman keine Freude hat, muss unerträglich dumm sein.

Jane Austen 1817 ·Northanger Abbey

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein alleinstehender Mann im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.

Jane Austen 1813 ·Pride and Prejudice

Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.

Wilhelm Busch 1882 ·Der Maulwurf

Das Gute — dieser Satz steht fest — ist stets das Böse, was man läßt.

Wilhelm Busch 1872 ·Die fromme Helene

Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Wilhelm Busch 1872 ·Die fromme Helene

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.

Wilhelm Busch 1877 ·Julchen

Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst, — die Schwerter, mit denen Geister kämpfen!

Georg Büchner 1835 ·Dantons Tod

Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt?

Georg Büchner 1835 ·Dantons Tod

Jeder Mensch ist ein Abgrund; es schwindelt einem, wenn man hinabsieht.

Georg Büchner 1837 ·Woyzeck

Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

Georg Büchner 1834 ·Der Hessische Landbote

Immer enger, leise, leise ziehen sich die Lebenskreise, schwindet hin, was prahlt und prunkt, schwindet Hoffen, Hassen, Lieben, und ist nichts in Sicht geblieben als der letzte dunkle Punkt.

Theodor Fontane 1889 ·Ausgang

Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben.

Theodor Fontane 1898 ·Der Stechlin

Das ist ein weites Feld.

Theodor Fontane 1895 ·Effi Briest

Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war.

Heinrich von Kleist 1811 ·Abschiedsbrief an Marie von Kleist

Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein!

Heinrich von Kleist 1821 ·Prinz Friedrich von Homburg

Küsse, Bisse, das reimt sich, und wer recht von Herzen liebt, kann das eine für das andere greifen.

Heinrich von Kleist 1808 ·Penthesilea

Das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.

Heinrich von Kleist 1810 ·Über das Marionettentheater